Ralph Schöllhammer: Integration und Remigration - meinung - exxpress Nachrichten

Ralph Schöllhammer: Integration und Remigration

Im Jahr 1774 legte Maria Theresia mit der Allgemeinen Schulordnung den Grundstein für die Schulpflicht in den habsburgischen Ländern. Getrieben wurde diese Reform nicht ausschließlich von Sorge um das Wohlergehen der Bevölkerung, sondern von dem Ziel aus einem Gewirr von Sprachen, Konfessionen, und Ethnien ein gemeinsames Staatsvolk zu formen. Maria Theresia und ihr Nachfolger, Joseph II, haben früh verstanden, dass die Schule der Schlüssel zur Integration ist. Wahrscheinlich waren das Bildungssystem, die Verwaltung, und das Militär die wirksamsten Integrationsmaschinen des Vielvölkerstaates, und entgegen der Meinung späterer Kritiker bildete sich bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts tatsächlich ein auf Österreich bezogener Patriotismus. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass nach einem Sieg im 1. Weltkrieg Österreich-Ungarn ein multi-ethnischer, aber kulturell vereinigter Staat geblieben wären, in dem Österreicher, Ungarn und Slaven eine ähnliche Rolle gespielt hätten wie Schotten, Waliser und Engländer im Vereinigten Königreich. Stattdessen erleben wir in Österreich und Europa jedoch eine Rückabwicklung der Integration, auch und vor allem im schulischen Bereich.

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